- Routine-Blutuntersuchungen liefern wesentliche Marker für die kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit
- LDL-Cholesterin, Nüchternblutzucker und der Blutdruck sind die drei wichtigsten Kontrollparameter
- Die Definition von „Normalwerten“ hängt von Alter, Geschlecht und weiteren individuellen Risikofaktoren ab
- Ein einzelner abweichender Wert ist keine Diagnose, sondern erfordert stets die Einordnung durch einen Arzt
Warum es wichtig ist, die eigenen Laborwerte zu kennen
Jedes Jahr erhalten Millionen Menschen ihre Laborbefunde, überfliegen die Zahlen kurz und heften das Dokument im Ordner ab. Dabei erzählen genau diese Parameter eine entscheidende Geschichte über unsere Gesundheit — oft lange Zeit bevor sich erste körperliche Symptome bemerkbar machen.
Es geht hierbei keineswegs darum, die eigene Diagnose zu stellen. Vielmehr hilft Ihnen das Verständnis dieser Werte dabei, im Gespräch mit Ihrem Arzt die richtigen Fragen zu stellen, Warnsignale rechtzeitig zu deuten und zu verstehen, wie stark alltägliche Gewohnheiten diese biologischen Marker beeinflussen.
Das Cholesterin: Ein Begriff, viele Fraktionen
Hinter dem allgemeinen Begriff „Cholesterin“ verbergen sich auf dem Laborblatt differenzierte Einzelwerte. Sehen wir uns diese genauer an.
Gesamtcholesterin
Hierbei handelt es sich um die Summe aller Cholesterinformen im Blutstrom. Ein wünschenswerter Wert liegt unter 200 mg/dL. Werte zwischen 200 und 239 mg/dL gelten als „grenzwertig hoch“; ab 240 mg/dL spricht man von einer Hypercholesterinämie. Wichtig zu wissen: Der Gesamtwert allein besitzt wenig Aussagekraft — entscheidend ist das Verhältnis der Fraktionen zueinander.
LDL-Cholesterin — Das „schlechte“ Cholesterin
LDL steht für Low-Density Lipoprotein. Es transportiert Cholesterin von der Leber in die Körperzellen. Liegt jedoch ein Überschuss vor, lagert es sich in den Arterienwänden an. Dadurch entstehen atherosklerotische Plaques, welche das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle massiv erhöhen.
| LDL-Wert (mg/dL) | Klassifikation |
|---|---|
| < 100 | Optimal |
| 100 – 129 | Nahezu optimal |
| 130 – 159 | Grenzwertig hoch |
| 160 – 189 | Hoch |
| ≥ 190 | Sehr hoch |
Hinweis: Bei bereits bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder einem generell hohen kardiovaskulären Gesamtrisiko liegen die therapeutischen LDL-Zielwerte deutlich niedriger (unter 70 oder sogar unter 55 mg/dL). Ihr Arzt definiert hier Ihren individuellen Zielwert.
HDL-Cholesterin — Das „gute“ Cholesterin
HDL (High-Density Lipoprotein) nimmt überschüssiges Cholesterin aus den Geweben auf und transportiert es zurück zur Leber, wo es abgebaut werden kann. Ein höherer HDL-Wert gilt daher als Gefäßschutz. Werte unter 40 mg/dL bei Männern sowie unter 50 mg/dL bei Frauen stellen ein klares Herz-Kreislauf-Risiko dar.
Non-HDL-Cholesterin
Viele moderne Befunde weisen zudem das Non-HDL-Cholesterin aus (Gesamtcholesterin minus HDL-Wert). Laut den ESC-Leitlinien 2021 ist dieser Wert ein präziserer Prädiktor für Gefäßrisiken als das LDL allein, da er auch VLDL-Partikel und andere atherogene Moleküle umfasst. Der optimale Zielbereich liegt hier bei < 130 mg/dL.
Die Triglyceride (Neutralfette)
Triglyceride sind Fette im Blut, die teils über die Nahrung aufgenommen, teils von der Leber selbst synthetisiert werden. Der Normalwert liegt unter 150 mg/dL. Werte zwischen 150 und 199 mg/dL gelten als grenzwertig hoch. Für erhöhte Werte sind meist nicht die Nahrungsfette verantwortlich, sondern vor allem der Konsum von einfachem Zucker, Alkohol, raffinierten Kohlenhydraten sowie mangelnde Bewegung.
Der Blutzucker (Glucose)
Der Blutzuckerwert gibt Aufschluss über die Menge an Glucose im Blut. Die Bestimmung erfolgt standardmäßig im nüchternen Zustand (mindestens 8 Stunden ohne Nahrungsaufnahme).
| Nüchternblutzucker (mg/dL) | Klinische Einordnung |
|---|---|
| < 100 | Normal |
| 100 – 125 | Prädiabetes (Abnorme Nüchternglucose) |
| ≥ 126 (An zwei unterschiedlichen Tagen bestätigt) | Diabetes mellitus |
Ein Nüchternblutzucker zwischen 100 und 125 mg/dL bedeutet noch keinen manifesten Diabetes. Er ist jedoch ein klares Signal dafür, dass sich der Zuckerstoffwechsel verändert. Durch Anpassungen des Lebensstils ist diese Phase oft komplett umkehrbar.
Der Arterielle Blutdruck
Der Blutdruck wird in mmHg angegeben und besteht aus zwei Werten: dem systolischen (oberer Wert beim Herzschlag) und dem diastolischen Wert (unterer Wert in der Ruhephase des Herzens).
| Blutdruckbereich (mmHg) | Klassifikation nach ESC 2018 |
|---|---|
| < 120 / < 80 | Optimal |
| 120–129 / 80–84 | Normal |
| 130–139 / 85–89 | Hoch-normal |
| 140–159 / 90–99 | Hypertonie Grad 1 |
| 160–179 / 100–109 | Hypertonie Grad 2 |
| ≥ 180 / ≥ 110 | Hypertonie Grad 3 |
Da der Blutdruck über den Tag hinweg natürlichen Schwankungen unterliegt und stark auf emotionale Reize reagiert, reicht eine einzige isolierte Messung für eine Hypertonie-Diagnose nicht aus. Der behandelnde Arzt wird stets mehrere Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten heranziehen.